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Die politische Kommunikation und Bausteine erfolgreicher Gesprächsführung

Führen Sie viele Gespräche mit den Bürgern

Die Kommunikation stellt einen entscheidenden Bestandteil unseres Lebens dar. Besonders aber in der Politik müssen Sie die Grundregeln der Kommunikation beherrschen, um sich erfolgreich durchzusetzen. Dies gilt generell für das Verhältnis von Ratsmitgliedern, Kreistagsabgeordneten, hauptamtlichen Bürgermeistern und Landräten in Bezug auf ihre Wählerinnen und Wähler. Wer von bürgernaher Politik spricht, muß in erster Linie das Gespräch mit den Bürgern suchen. Nun gibt es natürlich nicht den Bürger sondern die Zielgruppe für jeden erfolgreichen Politiker setzt sich aus einer sehr unterschiedlichen Gruppe von individuellen Meinungen, Ansichten und Lebensanschauungen in der Bürgerschaft zusammen.

Das Einfühlungsvermögen ist wichtig

Auch dann, wenn die unterschiedlichen Lebensentwürfe zu verschiedenen politischen Modellen führen, muß es über die Kommunikation möglich sein, Akzeptanz, Sympathie und Verständnis beim Bürger zu wecken. Diese emotionalen Grundlagen setzen voraus, daß ich als Politiker ein hohes Maß an Empathie für meine Bürger aufbringe. Denn Empathie, das heißt Einfühlungsvermögen. Viele Menschen differenzieren nur zwischen Sympathie = Mitgefühl und Antipathie = Ablehnung. Seitdem der Amerikaner Goleman seinen Bucherfolg "Emotionale Intelligenz" geschrieben hat, steht jedoch das Wort 'Empathie' im Mittelpunkt aller emotionalen Kontakte zwischen den Menschen.

Vom IQ zur Emotionalen Intelligenz

Bisher waren wir in Bezug auf die Messung von Intelligenz vor allem auf den sogenannten IQ, den Intelligenzquotienten, fixiert. Mit ihm wurden sprachliche, räumliche und mathematische sowie logische und Kombinationsfähigkeiten getestet. Heute jedoch erkennen immer mehr Menschen, daß der Intelligenzquotient weder über Berufserfolg noch über individuelle Lebenszufriedenheit entscheidet. Es sind gerade auch im Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern in der Politik völlig andere Faktoren, die zur Sympathie und Anerkennung führen. In den vergangenen Jahren haben sich in der Berufswelt und in allen Bereichen der Politik die Maßstäbe und Anforderungen verändert. Das Interesse gilt zunehmend der ganzen Person und nicht nur den reinen fachlichen Kompetenzen, den Vorbildungen oder Zeugnissen. Der Eindruck, den jemand als Gesamtpersönlichkeit hinterläßt, wird von immer größerer Bedeutung. Dabei sind die Eigenschaften wie Teamgeist, Kooperationsfähigkeit, partnerschaftlicher Führungsstil, Flexibilität, Kommunikations- und Kritikfähigkeit und Einfühlungsvermögen in die Wünsche, Sorgen und Ängste der Bürger von ausschlaggebender Bedeutung.

Erfolg ist Teamarbeit

Überall soll im Team gearbeitet werden. Gute Leistungen in der Fraktion und in den Partei-vorständen sind nur möglich, wenn nicht nebeneinander her sondern miteinander offen und ehrlich zusammengearbeitet wird. Der amerikanische Psychologe Daniel Goleman definierte emotionale Intelligenz als grundlegende Fähigkeit der Selbstwahrnehmung. Diese Fähigkeit drückt sich aus in Eigenschaften wie Rücksichtnahme, Achtsamkeit und Einfühlungsvermögen. Damit ist gemeint, daß jemand seine Interessen kennt, aber auch zurückstellen kann. Dies ist gerade in der Politik von ausschlaggebender Bedeutung, da wir darauf trainiert sind, ständig in den Anderen den Gegner zu sehen, der politisch zu bekämpfen ist. Umgesetzt wird die emotionale Intelligenz durch Höflichkeit, Anteilnahme, Selbstdisziplin und Verantwortungsgefühl, kurz durch das, was wir auch Menschlichkeit nennen. Wir alle haben emotionale Fähigkeiten, sie liegen in der Natur des Menschen begründet. Nur manchmal sind sie unterentwickelt. Jeder versucht, den alltäglichen Anforderungen gerecht zu werden, sein Gesicht zu wahren und möglichst ohne Schwächen dazustehen. Daher kommt auch die Unsitte, daß viele Politiker meinen, sie müßten zu jedem Thema und zu jeder Frage auch gleich eine Antwort parat haben. Ehrlicher wäre es, hier Mut zur Lücke zu beweisen und auch einmal zuzugeben, daß man etwas nicht weiß, sich aber im Sinne des Bürgers schlau und kundig machen wird.

Bewahren Sie Verständnis und Toleranz

Wir möchten Sie mit diesem Buch über die politische Kommunikation sensibel machen für die eigenen, aber auch die fremden Gefühle. Dazu gehören selbstverständlich auch die negativen Gefühle. Obwohl wir eine Vielzahl von Erfahrungen im Bereich unserer Gefühle gemacht haben, laufen wir Gefahr, schnell zu vergessen. Wie ließe es sich sonst erklären, daß wir im Umgang mit Kindern und Jugendlichen so oft kein Verständnis zeigen, obwohl wir vielleicht selbst in unserer eigenen Jugend ähnliche Dinge, Erfahrungen und Streiche umgesetzt haben. Auch bei den Meinungen, Anregungen und Kritiken unserer Bürger reagieren wir häufig mit Unverständnis. Dies läßt sich daraus erklären, daß unsere eigene Entwicklung, unsere Erziehung und unsere Erfahrungen anders vonstatten gegangen sind und es uns deshalb aufgrund unserer individuell geprägten Sicht der Realität schwer fällt, andere Modelle, Anschauungen und Erklärungen der Welt nachzuvollziehen. Deshalb sind Tugenden wie Verständnis und Tolerenz eine Grundvoraussetzung für jeden erfolgreichen Politiker. Niemand kann sich ernst genommen fühlen, wenn man ihm mit viel Gleichgültigkeit begegnet.

Entwickeln Sie Ihr Einfühlungsvermögen

Tolerant sein heißt, den Anderen mit Interesse und Verständnis entgegenkommen und ihn so zu akzeptieren, wie er ist. Auf dieser Basis versuchen wir dann, für die Probleme und Herausforderungen des kommunalen Lebens gemeinsame Lösungen zu finden. Ebenfalls wichtig ist das Einfühlungsvermögen. Wie geht es Ihnen, wenn Sie spüren, daß der Andere sich in Ihre Situation einfühlen kann? Richtig, Sie finden ihn sympathisch, Sie sind dankbar, Sie freuen sich. Damit man sich in den Anderen hineinversetzen kann ist es unerläßlich, daß man erst einmal bei sich selbst dieses Gefühl spürt, von dem der Andere spricht. Am besten läßt sich dies an dem Gefühl 'Schmerz' verdeutlichen. Wer noch nie einen Bänderriß hatte, wird jeden, den dieses Schicksal ereilt hat, wortreich bedauern. Wer aber schon einmal am eigenen Leib erfahren hat, welche Schmerzen damit verbunden sind, wird wahrscheinlich bei der Nachricht, daß einem guten Freund dieses Unglück passiert ist, schmerzhaft das Gesicht verziehen. Er kann fast körperlich fühlen, was der Andere wahrscheinlich empfunden hat. Je genauer und je differenzierter Sie Ihre eigenen Gefühle kennen, um so leichter fällt es Ihnen, anzuerkennen, daß auch Andere eine sehr breite Palette von Gefühlen und Empfindungen haben.

Achtsamkeit schafft Respekt und Zutrauen

Kommen wir nun zu dem Begriff der Achtsamkeit. Achtsamkeit gehört zu den wenig gebrauchten Wörtern in unserer Sprache. Geläufiger ist uns die Verneinung, die Unachtsamkeit, als Ausdruck für unaufmerksames, eben achtloses Verhalten. Besser vertraut sind uns Wörter wie 'beachten' und 'Achtung' und 'achten Sie bitte'. Achtsamkeit kann jeder entwickeln, der sich selbst kennt, der seine emotionalen Impulse zügeln und die versteckten Gefühle eines Anderen wahrnehmen kann. Zur Achtsamkeit gehört der Versuch, sich in den Anderen hineinzudenken, sich Zeit zu nehmen und zuzuhören, ohne ihm fertige Lösungen anzubieten.
Mit Achtsamkeit beweisen wir dem Anderen Respekt und Zutrauen. Sie ist eine Voraussetzung für gegenseitige Akzeptanz und sollte für Sie ein Leitfaden für alle Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern sein. Auch dann, wenn Sie spüren, daß viele ihrer eigenen grundsätzlichen politischen Einstellungen beim Anderen keinen so großen Anklang finden. In unserer Sprache haben sich Gewohnheiten eingeschlichen, die dazu führen, daß es anderen Menschen manchmal nahezu unmöglich ist, zu erfahren, wie wir uns fühlen oder was wir wirklich wünschen und durchsetzen wollen. Durch veränderte Sprechgewohnheiten können wir dies ändern und es ist gut, wenn wir häufiger 'ich' statt immer nur 'man' oder 'es' sagen. Reden Sie deshalb Klartext! In vielen Situationen werden wir für unser Umfeld, in den Veranstaltungen, Versammlungen und Diskussionen deutlicher und faßbarer, wenn wir klar unser Gefühl ausdrücken und unsere Ziele und unsere Wünsche offen formulieren und das ganze noch in Form von 'Ich-Aussagen" ansprechen. Damit Sie das Wort 'man' nicht so häufig verwenden, sprechen Sie genau von der Person oder Gruppe, die Sie meinen. Das können Sie selbst sein, dann sagen Sie 'ich' oder als Gruppe 'ihr'. Es kann genauso gut die 'Du' oder 'Sie'-Form sein, es kann sich aber auch um die Nachbarn, den Vorstand, die Fraktion oder andere Personengruppen, Autofahrer, Bürger, Bewohner handeln.

Deutliche Sprache und klarer Ausdruck

Bemühen Sie sich um einen klaren Ausdruck, damit auch die Adressaten sofort wissen, daß Sie gemeint sind. In jeder Mitteilung verbergen sich emotionale Botschaften. Werden sie nicht wahrgenommen und respektiert, können Mißverständnisse und Spannungen sowie Konflikte entstehen. Viele Menschen überspielen diese Unsicherheit und verstecken ihre Wünsche hinter allgemeinen Formulierungen. Dann heißt es: "Man könnte mal eine Pause machen, wir sollten mal wieder einen neuen Vorstand wählen, es ist mal wieder eine Diskussion zu diesem oder jenem Thema angesagt." Aus solch sprachlichem Verhalten und solchen Formulierungen können andere Kommunikationspartner nur mit viel Glück die richtigen Botschaften und Tendenzen herausziehen. Wer sich nicht traut, auszusprechen, was ihn stört, gibt dem Anderen keine Chance, sich zu ändern und er gibt sich keine Chance, seinem Ärger ein Ende zu machen.

Der Bumerang – Effekt

Hinter dem Begriff 'Kommunikationsfähigkeit', den wir heute in allen beruflichen und politischen Bereichen wiederfinden, steckt mehr als nur die Gabe, sich verständlich ausdrücken zu können. Mit diesem viel benutzten Schlagwort ist auch gemeint, den Anderen zu verstehen und in angemessener Weise auf ihn eingehen zu können. "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus", dieses Sprichwort enthält eine wichtige Erkenntnis. Jeder gestaltet seine Beziehungen selbst. Die Reaktionen der Anderen auf unser Verhalten entsprechen einem Echo. Professor Paul Watzlawick hat es auch einmal als 'Bumerang-Effekt' bezeichnet. Er geht davon aus, daß wir nicht - 'nicht kommunizieren' können. Das bedeutet: Permanent gehen von uns bewußte oder unbewußte Nachrichten und Botschaften aus. Wer in der Lage ist, sie klar zu deuten, erfährt mehr über sein Gegenüber als dieser ihm freiwillig preisgeben würde. Menschliche Kommunikation funktioniert nach dem Bumerang-Effekt, das heißt: Alles, was wir aussenden, kommt zu uns zurück.

Sorgen Sie für ein gutes Klima

Wir entscheiden darüber, wie das Klima und die Stimmung in Parteivorständen, Fraktionssitzungen, Arbeitskreisen ist. Angefangen von unserer Gesichtsmimik, unserer Wortwahl, unseren Formulierungen, unserem gesamten Eindruck entsteht so ein Klima offener, fairer und ehrlicher Kommunikation oder aber eine engstirnige, ängstliche, eingeschränkte Ebene schlechter Zusammenarbeit. Vergessen Sie deshalb nie: Das Lächeln, das Sie schon am Morgen Ihrer Familie schenken, kommt zu Ihnen zurück und begleitet Sie den ganzen Tag. Und immer so, wie Sie mit Ihren Parteifreunden umgehen, wie Sie beim Bürger auftreten, wie Sie sich auch in schwierigen Situationen verhalten, wird man Ihnen später in den verschiedenen Lebenslagen begegnen. Jeder von uns bezeichnet Kontakte zu Menschen, von denen wir uns verstanden fühlen, gleichgültig, ob im Privatleben, im Beruf oder in der Politik als gute Beziehungen. Doch wie zeigen Sie, daß Sie den Anderen verstehen? Sie respektieren ihn, Sie lassen ihn gelten und Sie schätzen und achten ihn als Persönlichkeit, auch, wenn einmal sein Verhalten auf Sie fremd wirken sollte. Außerdem sind Sie tolerant gegenüber seinen Eigenheiten und Ansichten. Toleranz heißt aber nicht, daß Sie alles gut heißen, was Andere denken, sagen oder tun. Vor allem dann nicht, wenn es Ihrem eigenen Gerechtigkeitsempfinden, Ihren politischen Grundsätzen, Ihren Gewohnheiten oder Moralvorstellungen total widerstrebt. Tolerant zu sein, bedeutet in erster Linie, dem Anderen mit Interesse ohne Vorurteile, ehrlich, vertrauensvoll und offen zu begegnen und zu erkennen und zu akzeptieren, daß er anders ist. "Let's agree to diver", sagen die Engländer dazu, das heißt: Laßt uns zumindest darin einig sein, daß wir anderer Meinung sind.

Die neue Tugend: Zuhören können

In diesem Zusammenhang spielt der Begriff 'Empathie' eine große Rolle. Das deutsche Wort für Empathie lautet: Einfühlungsvermögen. Der Duden definiert Empathie so: "Die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellung anderer Menschen einzufühlen". Stellen wir uns nun die Frage, ob Empathie eine Fähigkeit des Fühlens, also der emotionalen Ebene, oder des Denkens von Logik und Ratio ist. Wir sagen ja sowohl 'sich in Jemand einfühlen' als auch 'sich in Jemanden hineindenken'. Wir glauben, zum Einfühlungsvermögen - also verlieren und zwischen den eigenen und den Gefühlen der Anderen noch weiterhin unterscheiden können. Verständnis wird Ihnen vermittelt, wenn der Andere Ihnen zuhört und Sie ausreden läßt, wenn der Andere Sie dabei anschaut, wenn der Andere Sie auch in Ruhe lassen kann, wenn der Andere Ihnen zugesteht, daß Ihnen die Worte fehlen, wenn der Andere Ihnen zubilligt, über unausgereifte Ideen zu sprechen. Unverstanden werden Sie sich fühlen, wenn der Andere Ihnen ins Wort fällt, wenn der Andere zur Empathie - gehört beides. Sie erfassen die Situation des Anderen, seine Rahmenbedingungen und seine Einzigartigkeit und stellen sich vor, wie ihm gerade zumute ist. Wir bleiben dabei aber auf Distanz, damit Sie sich nicht in der Situation des Anderen sich gleichzeitig mit etwas anderem beschäftigt, wenn der Andere dauernd von sich redet, wenn der Andere Ihnen ungebetene Ratschläge erteilt, wenn Sie sich rechtfertigen müssen und wenn Sie sich nicht ernst genommen fühlen.

Die beiden Ebenen der Kommunikation

Professor Paul Watzlawick, einer der Väter moderner Kommunikationslehrer, hat festgestellt, daß Kommunikation immer auf mindestens zwei Ebenen abläuft. Da ist zum einen die Sachebene. Hier teilen wir dem Anderen Informationen, Fakten und Nachrichten mit. Auf dieser sachlichen Ebene geht es um die klare und verständliche Mitteilung von konkreten Sachverhalten. Eine zweite Ebene ist jedoch für die Wirkung der Kommunikation viel entscheidender. Es ist die sogenannte Beziehungsebene. Sie steht für das Verhältnis, das zwischen den beiden Kommunikationspartner, also Sender und Empfänger, besteht. Hier entscheiden die Gefühle, also Sympathie oder Antipathie, die Wertschätzung, die Rangordnung zueinander darüber, wie eine Information gesendet oder empfangen wird. Je nach dem wie ich einen Mitmenschen anspreche, bringe ich zum Ausdruck, was ich von ihm halte. Somit fühlt der Andere sich entsprechend akzeptiert und vollwertig behandelt oder aber bevormundet, ja vielleicht sogar herabgesetzt. Diese Beziehungsebene hat eine größere Wirksamkeit in der Kommunikation als die Sach- und Inhaltsebene. Das kann dazu führen, daß aufgrund einer negativ geprägten Beziehung zwischen Sender und Empfänger die Informationen der Sachebene nicht mehr wahrgenommen werden. Wir haben als aktive Politiker schon alle dieses Problem erlebt. Natürlich ist eine Information, die ein von uns abgelehnter politischer Gegner in die tägliche Arbeit einbringt, nicht so neutral und positiv zu bewerten als wenn die gleiche Information von einem vertrauten Parteifreund vorgeschlagen wird. Wir alle denken in Schubladen. Und bevor wir überhaupt eine sachliche Information bewertet haben, hat unser Gehirn sofort registriert, wer hat diese Information gegeben und all die abgespeicherten Vorurteile, Erfahrungen, aber auch gemachten Werturteile, spielen nun eine entscheidende Rolle bei der Bewertung dieser Information. Wer somit durch Erfahrungswerte einmal mit einem bestimmten Etikett versehen worden ist, kann uns keine unvorbelastete Information auf der Sachebene mehr geben. Natürlich machen die gleichen kommunikativen Probleme auch im Privatleben und vor der Berufswelt nicht halt.

Die vier Seiten einer Nachricht

Halten wir also fest: Grundsätzlich verhalten sich in der Kommunikation die Gesprächspartner wie Sender und Empfänger von Informationen, die sich im Senden und Empfangen ständig abwechseln. Die Ideen, die Vorstellungen, die in unseren Köpfen existieren, müssen wir in Signale und Botschaften umformen. Wir bilden also Wörter, fügen diese zu Sätzen zusammen und schicken teils bewußt, teils unbewußt, unsere Gefühle, und damit sind wir auf der emotionalen Beziehungsebene, über Mimik, Gestik, Sprache an den Empfänger. Es gibt also in jeder Kommunikation, in jedem Gespräch stets eine Sachebene für die Sachinhalte und eine Beziehungsebene, bei der unsere Gefühle eine entscheidende Rolle spielen. Dieses Grundmodell der Kommunikation wurde weiter verfeinert und der Kommunikationswissenschaftlicher Friedemann Schulz von Thun ging in seinen Untersuchungen noch einen entscheidenden Schritt weiter. Er geht davon aus, daß jede Kommunikation aus vier unterschiedlichen Ebenen besteht. Bei ihm hat ein und dieselbe Nachricht viele Botschaften, und egal, ob der Sender es will oder nicht, er wird immer gleichzeitig in jedem Gespräch alle vier Bereiche ansprechen. Wir unterscheiden deshalb in der modernen Kommunikationslehre, neben dem Sachinhalt, das heißt: Ein Sachverhalt wird mitgeteilt, und damit ist diese Seite der Kommunikation für jeden direkt erkenntlich und zugänglich. Ein zweiter Stelle die Beziehungsebene, das heißt: Wie wir zu Jemand stehen, und die Art und Weise, wie wir mit dem Anderen sprechen und somit auch unsere Gefühle und unsere Sympathie ihm gegenüber ausdrücken. Daneben kommt eine dritte Ebene, die wir als Appell- oder Aufforderungsebene bezeichnen können. Hier teilen wir mit, daß wir mit unserer Kommunikation etwas erreichen wollen. Wir verfolgen bewußt oder unbewußt ein bestimmtes Ziel. Die vierte Ebene heißt Selbstaussage bzw. Selbstoffenbarungsebene. Wir sagen in jeder Kommunikation immer auch etwas über uns selbst aus. Unsere Gefühle, Neigungen, Meinungen und Haltungen drücken wir somit sprachlich und nichtsprachlich aus.

Dadurch, daß eine Nachricht aus diesen vier genannten Ebenen besteht, können Sie sich vorstellen, wie kompliziert oft Kommunikation unter den Menschen sein kann. Denn jeder Empfänger muß alle vier Ebenen in den Gesprächen und Nachrichten, die auf ihn einströmen, dekodieren, das heißt entschlüsseln. Sehr leicht können durch seine inneren, psychischen Zustände, durch seine Gefühlslage, seine Einstellung und Bedürfnisse auch die eigene Wahrnehmung und das Verstehen, beeinträchtigt werden. Die Lösung aus diesem Dilemma heißt vor allem: Feedback geben, das heißt: rückkoppeln, nachfragen, um sicher zu gehen, daß Sie den Anderen wirklich verstanden haben. Wir müssen uns bewußt machen, daß Kommunikation also nicht immer problemlos und auch nicht einfach nur das Senden und Empfangen von Informationen ist. Es gibt eine Reihe von Ursachen für gestörte Kommunikation. Eine der häufigsten Störungsursachen ist die Vermischung von der Sachebene und Beziehungsebene. Nicht selten erscheinen da bei den Gesprächspartnern die Probleme im Rahmen einer Auseinandersetzung nicht lösbar. Das jedoch nur, weil Sie selbst einen Konflikt auf der emotionalen Beziehungsebene austragen und deshalb kann sich auf der Sachebene keine Übereinstimmung entwickeln. Wir haben häufig die Fälle, daß in den Vorständen und Fraktionen im Rahmen von Problemstellungen und Sachthemen die Menschen gegeneinander diskutieren und aus dieser Sachdiskussion sehr schnell eine persönlich orientierte Kampfhaltung wird. Niemand möchte nachgeben. Jeder will deutlich machen, daß er der Stärkere ist, daß er der Platzhirsch ist. Dieses Verhalten auf der emotionalen Ebene führt dazu, daß notwendige sachliche Einigungen verhindert werden. Damit werden immense Ressourcen an Zeit, Energie und Motivation verschwendet, ohne sachliche Fortschritte zu erreichen. Deshalb ist es um so wichtiger, bei sachlicher Uneinigkeit eine persönliche Vertrauensbasis zu erzeugen. Erst dann können in einer offen ausgetragenen Kontroverse kreative und konstruktive Lösungen gefunden werden.

Was du Schwarz auf Weiß besitzt, kannst du getrost nach Hause tragen

Ein weiterer wichtiger Aspekt von Kommunikation liegt in der Frage, wann ich mündliche bzw. eher schriftliche Kommunikation betreibe. Bei sehr wichtigen Informationen sollte man immer eine Kombination, und damit die Vorteile beider Varianten, umsetzen. Sie müssen davon ausgehen, daß in einem Sachvortrag innerhalb von Vorständen und Fraktionen nur knapp 10 % all Ihrer Argumente und Beiträge von der Gruppe aufgenommen werden können. Wenn Ihnen also an einer starken Überzeugungswirkung liegt, müssen Sie einen Teil Ihrer Argumente, die wesentlichen Kernaussagen, kurz und knapp schriftlich zu Papier bringen und an die Teilnehmer der Sitzungen verteilen. Sie haben so eine hohe Gewähr, daß diese Grundinformationen gesehen und gelesen und damit besser aufgenommen werden, während Sie durch Ihren mündlichen Vortrag noch weitergehende Erklärungen und Zusatzinformationen geben können. Den gleichen verstärkenden Effekt erzielen Sie, wenn Sie Ihre wesentlichen Informationsdaten in Form einer Folie auf den Tageslichtprojektor präsentieren oder in Form von kurzen, knappen Sachaussagen auf einem Flipchart aufschreiben. Versuchen Sie immer, neben den verbalen Informationen durch Ihren Vortrag auch den Teilnehmern Ihrer Vorstands- und Fraktionssitzungen nonverbale, das heißt visuelle, Informationen zur Unterstützung zu geben. Ihre mündliche Vortragsweise hat natürlich für die Teilnehmer von Sitzungen eine hohe Bedeutung, da Ihre gesamte Persönlichkeit mit Überzeugungskraft und Engagement in den Diskussionsprozeß eingebracht wird. Auch ist das Nachfragen direkt möglich. Die Nachteile liegen darin, daß nur verzerrte bestimmte Teile Ihres Vortrages ankommen und behalten werden. Bei der schriftlichen Information ist diese Verzerrung nicht möglich, da klar und deutlich, vor allem aber nachlesbar, die Fakten auf dem Tisch liegen. Wenn Sie nur schriftlich informiert haben, sind jedoch keine Nachfragen und keine ergänzenden Informationen machbar. Deshalb versuchen Sie, beide Methoden in der Präsentation von Meinungen und Konzepten in Ihren Vorständen, Fraktionen und Arbeitskreisen zu kombinieren.

Einige Grundregeln der Kommunikation

Abschließend möchten wir noch einmal auf einige Grundregeln der Kommunikation eingehen, die für Gespräche jeder Art als Leitgedanke beherzigt werden sollten:
Kommunikation gelingt besser, wenn man die Perspektive des Gesprächspartners berücksichtigt und sich auf das Signalrepertoire des Anderen einstellt. Versuchen Sie Ihre Inhalte richtig auszuwählen, und zwar so, daß auch der Gesprächspartner erkennt, warum dieser Inhalt für ihn wichtig ist und welchen Nutzen er bringen kann. Bemühen Sie sich, die vermittelnden Inhalte entsprechend visuell aufzubereiten und nutzen Sie somit mehrere Kommunikationskanäle. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, daß Sie auf den verschiedenen Kanälen, wie Sprache, Mimik, Gestik, Körperhaltung, Kleidung, widerspruchsfreie Informationen senden. Die Störung der sachlichen Kommunikation durch Beziehungsprobleme sollten Sie vermeiden, wenn Sie jedoch spüren, daß es dem Anderen nicht um die Sache sondern nur um persönliche Angriffe geht, können Sie dies in angemessener Form aufgreifen und deutlich machen. Bedenken Sie bei Ihrer Kommunikation mit den Bürgern, daß viele Menschen oft nur einen Zuhörer benötigen, denen sie ihre Gefühle und Probleme mitteilen können. Bei diesem Zuhörer können Sie in vielen Situationen schon Konflikte erkennen, die durch Sie gelöst und verringert werden können. Mit etwas psychologischem Gespür für die menschliche Seite der Bürgeranliegen können selbst aus starken Kontroversen gute konstruktive Zusammenarbeit entwickelt werden. Als politische Führungsperson sollten Sie den Bürgern im Gespräch das Gefühl vermitteln, daß Sie sich seiner Sache konstruktiv annehmen, daß er Ihnen wichtig ist und daß er als Bürger mit seinen Sorgen, Nöten und Problemen sich bei Ihnen und Ihrer Partei in guten Händen befindet. Ist dieses Vertrauen im Rahmen einer Imagebildung erst einmal hergestellt, so lassen sich viele Bürger gern auf eine dauerhafte Operation ein. Die Grundprogrammierung vieler Politiker entspricht jedoch nicht diesen Wünschen seitens der Bürgerinnen und Bürger. Sie glauben, daß Sie mit möglichst viel Informationen, Fakten und Daten besonders gut und überzeugend wirken. Sie überhäufen den Bürger mit Ihren Vorschlägen und glauben, auf jede Frage und jedes Problem auch eine Antwort und eine Lösung parat haben zu müssen. Wir wollen uns deshalb im nächsten Kapitel mit den Grundzügen des richtigen Zuhörens und des optimalen Rückkoppelns, das heißt des Feedbackgebens, eingehend beschäftigen.

Aktives Zuhören

In der Kommunikation zwischen den Menschen ist Zuhören nicht nur ein Gebot der Höflichkeit. Es ist in der Diskussion die Voraussetzung zur Informationserlangung. Aktives Zuhören ermöglicht uns, die richtigen Erkenntnisse und Einschätzungen vorzunehmen. Nur, wer den Bürgerinnen und Bürgern zuhört und dem Mitteilungsbedürfnis anderer Menschen Raum gibt, erhält Informationen. Diese Informationen gilt es gedanklich aufzunehmen, zu verarbeiten und kritisch zu bewerten. Erst dann werden die logischen Schlüsse daraus gezogen. Die Gefühle Anderer zu verstehen bedeutet nicht, daß wir zur selben Zeit dasselbe empfinden müssen. Richtig Zuhören heißt nicht, nur schweigend dabei zu sitzen sondern sich aktiv am Gespräch zu beteiligen. 'Das heißt, zunächst darauf zu achten, was der Andere sagt und wie er es vor allem sagt. Um ihm zu zeigen, daß Sie wirklich bei ihm sind, können Sie dann in eigene Worte fassen, was gefühlsmäßig mitschwingt. Sie hören also nicht nur das Gesagte sondern nehmen die ganze Person wahr. Diese Art des Zuhörens ist der Schlüssel zum Gesprächspartner und schafft ein sympathisches, vertrautes Klima. Dieser Prozeß und das Abwarten mit logischen Schlüssen, bis der Andere wirklich all seine Argumente gesagt hat, verursacht in vielen Diskussionen erhebliche Probleme und Mißverständnisse. Aktives Zuhören bedeutet, daß man die Botschaft des Anderen genau verstanden hat und daß man sodann dieses Verstandene mit Einfühlung und Akzeptanz zurückgibt. Das eigene Urteil und die persönliche Bewertung sollten in diesem Vorgang noch keine Rolle spielen. Hier einige Beispiele, wie Sie persönlich Ihren Gesprächspartnern aktives Zuhören verdeutlichen:

Wenn ich Sie richtig verstehe, plädieren Sie für...
Sie haben das Gefühl, daß man Ihre Einwände...
Von Ihrem Standpunkt aus bietet sich folgende Lösung an...
Es scheint Ihnen deshalb nicht möglich zu sein...
Mit anderen Worten, Sie denken also, daß...

Zuhören vermittelt Wertschätzung

Wer dem Anderen zuhört und selbst nicht vorschnell wertet, kann für sich in der Kommunikation die folgenden Vorteile verbuchen:
Er redet selbst nicht so viel, er kann nicht am Thema vorbeireden, er spricht nicht zu viel über sich selbst, er wirkt interessiert und anregend, er gibt dem Gesprächspartner ein wichtiges Gefühl, er erhält mehr Informationen als er erwartet hat, er zieht die richtigen Schlüsse und erreicht sein Ziel, er nimmt Tatsachen und Fakten auf und überprüft Folgerungen kritisch.

Aktives Zuhören ist keine Technik, um seinen Gesprächspartner auszuhorchen sondern eine Haltung, die Respekt und Achtung vor dem Anderen zum Ausdruck bringt. Aktives Zuhören heißt, sich anteilnehmend äußern und die Gefühle des Anderen ansprechen., in eigenen Worten zusammenfassen, was man beim Gesprächspartner zu spüren glaubt. Ein guter Zuhörer fragt sich im Stillen, was empfindet mein Gesprächspartner, was ist ihm wichtig, welches Ziel verfolgt er damit. Antworten auf diese Fragen erhalten Sie, sobald Sie sich in den Anderen hineindenken und Anteil nehmen.

Ehrliches Feedback geben

Bei allem, was der Mensch unternimmt, braucht er eine Rückkoppelung. Kommunikative Signale werden nie ohne Störungen vermittelt. Ein Gesprächspartner kann auch falsch verstanden werden. Eigene Vorurteile, Wünsche, Probleme und Erfahrungen werden vorschnell in das Gehörte hineininterpretiert. Die Rückmeldung (Feedback) vom Empfänger zum Sender gibt dem Sender die Möglichkeit, zu überprüfen, ob seine Kommunikation erfolgreich war. Das Feedback ist also eine Mitteilung darüber, wie Sie vom Anderen wahrgenommen, verstanden und erlebt werden. Dies kann geschehen durch Worte, unbewußtes Verhalten, Gesten, Mimiken und Körpersprache.

Rückmeldung ist notwendig, damit das eigene Verhalten und seine Wirkung auf den Anderen richtig eingeschätzt und gegebenenfalls verändert werden kann. In vielen Fällen stimmen Selbst- und Fremdwahrnehmung nicht überein. Hinzu kommt, daß verbales und nonverbales Verhalten nicht immer eindeutig sind. Rückmeldung ist nur wirksam, wenn sie vom Empfänger angenommen wird. Die Echtheit und Wirksamkeit einer solchen Rückmeldung wird bestimmt vom Vertrauen innerhalb der Gruppe und vom Vertrauen zwischen den betroffenen Personen. Wie Sie angemessen Rückmeldung geben können:
Rückmeldung sollte sofort und nicht zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.
Rückmeldung sollte beschreibend und sachlich sein.
Rückmeldung sollte konkret auf ein begrenztes Verhalten bezogen sein.
Rückmeldung sollte nicht den Anderen analysieren.
Rückmeldung sollte klar und genau formuliert und nachprüfbar sein.
Rückmeldung sollte erbeten und nicht aufgezwungen sein.
Rückmeldung sollte gute Leistungen ausdrücklich anerkennen.
Rückmeldung sollte bei rangverschiedenen Beziehungen auch umkehrbar sein.
Rückmeldung sollte immer als "Ich-Botschaft" formuliert sein, wie: Ich finde, Ich habe das so gesehen und nicht: Man sollte, Man könnte.....
Rückmeldung sollte sich immer auf ein konkretes Ereignis beziehen.

Der Ton macht die Musik

Um die Empfindungen des Anderen zu erfassen, achten Sie deshalb auf den Klang seiner Stimme und auf all das, was man Körpersprache nennt. Schon jedes Kind lernt auf den Klang der Stimme zu achten, bevor es beispielsweise der Aufforderung: "Komm doch mal her" folgt. Einmal nähert es sich erwartungsvoll, ein anderes Mal mit entsprechend strengerem Ton, wird es einen Sicherheitsabstand wahren. Der Volksmund bringt es auf den Punkt mit der Aussage: "Der Ton macht die Musik". Und natürlich können Sie durch die Beigaben zur Sprache wie Tonalität, Betonungen, aber auch durch die dazu passende oder nicht passende Körpersprache, dem gleichen Wortsinn einen anderen Kontext geben. Immer dann, wenn Sie unsicher sind, und nicht wissen, ob Sie etwas richtig verstanden oder interpretiert haben, müssen Sie fragen. Dabei ist es wichtig, daß Sie richtig fragen und dem Anderen deutlich machen, warum Sie fragen. Denn oftmals werden Fragen als bedrängend empfunden. Wenn wir beispielsweise den Eindruck gewinnen, daß der Andere uns ausfragen will, also sein eigenes Interesse dahintersteckt, reagieren wir eher einsilbig. Manchmal dienen diese Fragen zur Befriedigung der Neugier. Kontrollfragen erwecken eine innere Abwehrhaltung bei uns. Fragen, die das Klatsch- und Tratschbedürfnis Anderer befriedigen, sind uns unangenehm. Genau so werden wir natürlich auch bohrende und indiskrete Fragen abblocken. Aber, es gibt auch ehrlich gemeinte Fragen, die nur dazu dienen, um den Anderen besser zu verstehen. Wer so nachfragt, will genaueres zum besseren Verständnis erfahren. Er will seinen Eindruck überprüfen und zeigt Interesse, und er möchte dabei offen und ehrlich die Gefühle ansprechen. Je größer der Spielraum einer Frage bleibt, desto eher kann der Andere von sich aus entscheiden, wie ausführlich er antworten will und was er uns mitteilen möchte. In einem Gespräch werden Sie nicht nur nachfragen, sondern auch Ihre Eindrücke wiedergeben. Dies ist ein wesentlicher Teil des Rückkoppelns.

Die Fragetechniken

„Wer fragt, der führt“ sagt der Volksmund, und so ist es. Denn die Frage im Gespräch bestimmt den Diskussionsverlauf. Sie fordert zur Information auf und gibt Anlaß, Stellung zu beziehen. Niemand läßt gerne eine Frage unbeantwortet im Raum stehen. Wer eine Frage nicht beantwortet, ist unhöflich, uninteressiert und meinungslos. Mit Hilfe von Fragen kann man sachlich und emotional ein Gespräch lenken. Fragen können bohrend, provozierend, persönlich, fordernd, belanglos, interessant oder langweilig sein. Sie können beschwichtigend wirken und Verständnis für eine Situation oder Aussage zeigen.

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen zwei Fragetypen:

Die offene Frage

Alle offenen Fragen beginnen mit einem W-Wort (wer, was, wo, warum, wie usw.). Ziel dieser offenen Fragen ist es, Informationen, Meinungen und Gedanken des Kommunikationspartners zu erfragen.
Welche Vorstellungen haben Sie?
Wie denken Sie über meinen Vorschlag?
Was hat zu dieser politischen Ansicht geführt?
Warum wollen Sie die Arbeitslosigkeit auf diese Art und Weise lösen?

Die geschlossene Frage

Auf die geschlossenen Fragen kann man in der Regel nur mit ja oder nein antworten. Sie werden angewandt, um den Gesprächspartner zu einer Entscheidung zu drängen bzw. um Inhalte zu kontrollieren.
Sind Sie mit meinem Vorschlag einverstanden?
Können wir die Wahlkampfstrategie so übernehmen?
Stimmen Sie in diesem Punkt mit mir überein?
Darüber hinaus unterscheiden wir noch zwischen zwei weiteren Frageformen:

Fragen mit manipulativem Charakter

Neben den geschlossenen und offenen Informationsfragen unterscheiden wir noch einige weitere spezielle Fragearten, die benutzt werden, um bestimmte manipulierende Funktionen zu unterstützen:

Die Suggestivfragen

Wer vom Gesprächspartner Zustimmung erhalten möchte, verwendet suggestive Fragen. Ihr Ziel liegt darin, dem Gesprächspartner eine gewünschte zustimmende Antwort schon halb in den Mund zu legen.
Sie sind doch auch der Meinung, daß...
Sie wissen doch sicherlich auch, daß...
Ihnen ist doch bestimmt bekannt, daß für dieses Problem nur...
Aber Vorsicht: Geschulte Gesprächspartner erkennen sehr schnell suggestive Fragen und sind, da ihnen die Absicht klar ist, verstimmt. Die Begriffe „doch“, „wohl“, „auch“, „sicher“, „oder etwa nicht“ verraten schnell die suggestive Zielrichtung einer solchen Frage.

Die Alternativfragen

Eine sehr häufig angewandte Frageform sind die alternativen Fragen. Durch das Aufzeigen von zwei oder mehr Alternativen soll Ihnen die Entscheidung erleichtert werden. Doch Vorsicht: Gedanklich beschäftigen Sie sich nur noch mit den aufgezeigten zwei oder mehr Möglichkeiten. Und dies führt dazu, daß eine Reihe von weiteren Lösungen und Alternativen nicht genannt und damit nicht durchdacht werden können. Alternativfragen schränken immer ein und haben deshalb eine starke, manipulierende Wirkung.
Wann wollen wir den Termin machen? Am Montag oder am Freitag?
Wir müssen uns entscheiden, wollen wir das neue Gewerbegebiet oder das Hallenbad finanzieren?
Die Finanzen sind knapp, deshalb treffen Sie Ihre Wahl: Erhöhung der Gewerbesteuer oder Reduzierung des Personaletats?

Die Bestätigungsfragen

Die Bestätigungsfrage verwenden Sie, um sicherzustellen, daß Sie den Anderen in einer Unterhaltung wirklich richtig verstanden haben. Sehr häufig entstehen Streitereien aufgrund von Mißverständnissen, da wir nur glauben, schon zu wissen, was der Andere gemeint hat bzw. ihn korrekt verstanden zu haben. Mit einer Bestätigungsfrage geben Sie Ihrem Kommunikationspartner die Chance, zu bestätigen, daß er seinen Beitrag wirklich so und nicht anders gemeint hat.
Mögliche Bestätigungsfragen sind:
Wenn ich Sie richtig verstanden habe, sind Sie der Meinung , daß...
Sie legen also besonders auf diese Punkte Wert...
Gehört es zum Kern Ihrer Aussage, daß folgendes für Sie wichtig ist...

Die Stimulierungsfragen

Wenn Ihnen in einem Gespräch an einer Zustimmung wirklich gelegen ist, so können Sie die sogenannten Stimulierungsfragen benutzen. Bei dieser Frageform wird in die Frage schon ein Lob für Ihr Gegenüber eingebaut. Da jeder gerne gelobt wird und niemand gern die Quelle seines Lobes zerstört, wird der Gesprächspartner bei der Beantwortung dieser Frage selbstverständlich Ihnen positiver und wohlgeneigter gegenüberstehen.
Mögliche Stimulierungsfragen sind:
Sie als Finanzexperte werden mir doch bestimmt zugeben...
Ich denke, daß Sie als Fachmann im kulturellen Bereich unser Anliegen unterstützen können...

Wer fragt der führt

Wer fragt, der führt im Gespräch. Wir alle sind so erzogen, daß wir eine Frage, die uns gestellt wird, sofort beantworten wollen. Deshalb ist die Frage die stärkste Waffe, um die Gedanken eines anderen Menschen zu beeinflussen. In diesem Zusammenhang wollen wir Ihnen das einfachste Manipulationsmodell der Welt vorstellen:

Phase I » Keep smiling

Sie lächeln und schaffen damit eine positive Gesprächsatmosphäre.

Phase II » Frage stellen

Mit dieser Frage zwingen Sie den Gesprächspartner, eine Antwort zu geben. Er muß über das von Ihnen Gefragte nachdenken.

Phase III » Pause machen

Die Pause ist den meisten Menschen peinlich. Sie führt dazu, daß ein starker Zwang entsteht, die Frage auch wirklich zu beantworten. Eine schnelle Antwort ist oft auch eine ehrliche Antwort, da sie nicht strategisch durchdacht werden kann. Wer dieses Modell beherrscht, wird in den Bereichen der Politik, der Wirtschaft aber auch im Privatleben erfolgreicher kommunizieren können.

Fragetechnik im Wahlkampf

Da die meisten Menschen von der Programmierung geprägt sind „Wer so denkt wie ich, denkt richtig“ ist es Ihre Aufgabe in Wahlkämpfen, durch Fragetechniken herauszufinden, wo der Bürger steht, um ihn dann mit Hilfe überzeugender Argumente von der Richtigkeit des eigenen Politikansatzes zu überzeugen.

Erfolgreiche Gesprächsführung

Die Merkmale eines erfolgreichen Gespräches können Sie anhand der folgenden Fakten erkennen:

Aufrichtiges Interesse zeigen

Sie schauen Ihren Gesprächspartner an. Alle verbalen Botschaften werden mimisch und gestisch unterstrichen. Sie sind somit Ihrem Gesprächspartner innerlich und äußerlich zugewandt. Der Partner spürt, daß Sie ihn und das Thema ernst nehmen.

Den Partner persönlich ansprechen

Das wichtigste Wort im Leben eines Menschen ist sein Name. Kein Wort hört er so gerne. Es schafft Vertrauen und steht sofort für eine persönliche Atmosphäre. Deshalb nennen Sie möglichst häufig im Gespräch den Namen Ihres Gesprächspartners. Sprechen Sie seine Erfahrungen an und verdeutlichen Sie ihm seinen persönlichen Nutzen. Heben Sie all das hervor, was für ihn im Gespräch von Bedeutung ist.

Für entspanntes Klima sorgen

Freundlichkeit und Höflichkeit sind die beiden entscheidenden Faktoren für ein positives Gesprächsklima. Achten Sie darauf, mögliche Störfaktoren, wie Telefon, offene Fenster etc. auszuschalten. Zeigen Sie Offenheit, gerade in Ihrer Körpersprache, indem Sie unverkrampft und möglichst ohne die Mauer eines großen und breiten Schreibtisches neben Ihrem Gesprächspartner seitlich am Tisch sitzen.

Gut Zuhören können

Das bedeutet, sich voll auf den Partner zu konzentrieren, alles verbale aber auch die nonverbalen Botschaften mitzubekommen. Dazwischen stellen Sie Verständnisfragen, um zu signalisieren „Ich habe dir gut zugehört“.

Gesprächspartner nicht unterbrechen

Fallen Sie Ihrem Partner nicht ins Wort. Lassen Sie ihn ausreden. Einzige Ausnahme: Ihr Partner hat Sie völlig mißverstanden. Hier muß eine sofortige sachliche Klärung herbeigeführt werden, damit das Gespräch keine negative oder emotionale Wendung erhält.

Prestige - Diskussionen vermeiden

Seien Sie nicht ichbezogen. Es geht nicht darum, das eigene Recht hervorzukehren oder besonders glänzen zu wollen. Bleiben Sie bescheiden, vermeiden Sie in Ihren Formulierungen, aber auch in Ihrer Gestik fachliche und moralische Schulmeistereien.

Gleichgewicht im Gespräch schaffen

Streben Sie dabei immer einen Dialog an. Nicht monologisieren, das heißt zwei Drittel der Beiträge auf Ihrer Seite und nur ein Drittel der Beiträge beim Gesprächspartner. Achten Sie auf ein ausgeglichenes Verhältnis der Redebeiträge. Lassen Sie nach Möglichkeit Ihren Gesprächspartner etwas mehr zu Wort kommen. Jeder sollte sich frei äußern können.

Nicht behaupten, sondern erläutern

Begründen Sie Ihre Aussagen, erklären Sie, was Sie zu Ihrer Meinung gebracht hat. Sie führen so den Partner gedanklich zum Ziel hin. Alle inhaltlichen Aussagen können Sie mit nachvollziehbaren Beispielen verdeutlichen.

Den Anderen anerkennen

Sie dürfen in einem Gespräch niemals das Selbstwertgefühl Ihres Partners verletzen. Ihre Grundeinstellung muß sein: „Ich nehme Dich und Deine Aussage ernst, auch dann, wenn wir sachlich unterschiedlicher Meinung sind.“
Wenn Sie diese obigen Kernpunkte beachten, wird das Gespräch zwar nicht unbedingt zu einem einheitlichen Ergebnis führen, aber zumindest in einer positiven Gesprächsatmosphäre verlaufen.

Die Überzeugungsstrategie

Achten Sie in Ihren politischen Beiträgen darauf, daß Sie es anderen Menschen leicht machen, Ihnen zu folgen. Sie haben eine politische Botschaft und möchten, daß Andere Ihnen zustimmen und Sie unterstützen. Deshalb sind viele Ihrer Reden und Gesprächsbeiträge kurze Überzeugungsreden. Dabei ist die Reihenfolge, in der Sie Ihre Gedanken präsentieren, von entscheidender Bedeutung. Viele Politiker machen den Fehler, daß sie permanent Lösungen anbieten für Probleme, die überhaupt kein Mensch hat, zumindest sind sie noch keinem bewußt geworden. Deshalb empfehlen wir Ihnen das Modell der Überzeugungsampel: Stellen Sie sich eine Verkehrsampel vor: ROT – GELB – GRÜN sind die drei Phasen.

Die Überzeugungsampel

Sie haben ein Problem, das ist die erste Phase der Ampel, die Rot-Phase. Beginnen Sie alle Ihre Überzeugungsgespräche mit der Rot-Phase, das heißt dem Einstieg in das Problem. Schaffen Sie zuerst Problembewußtsein. Denn Menschen sind nur dann in der Lage, Ihren Lösungen und Argumenten zu folgen, wenn sie zuvor Ihr Problem verstanden haben.

Nach der Rot-Phase springt unsere Ampel um auf gelb. Gelb ist eine kurze Übergangsphase, hier wird die Lösung präsentiert. Sie erklären, wie Sie das vorher angesprochene Problem lösen wollen.
Nach der kurzen Lösungsphase erscheint auf der Ampel die Grün-Phase. Grün heißt: Freie Fahrt. Und freie Fahrt bedeutet, Sie präsentieren die einzelnen Argumente, warum Ihre Lösung richtig ist. Nun kann der Gesprächspartner Ihnen besser folgen, da er über das Problem zur Lösung und nun zu den die Lösung untermauernden Argumenten hingeführt worden ist.
Falsch ist es, wenn Sie in Ihren Reden und Beiträgen gleich mit der Lösung beginnen, das heißt mit der Tür ins Haus fallen, oder aber einzelne Argumente präsentieren, von denen noch kein Zuhörer wissen kann, zu welchen Problemen bzw. Lösungen diese Argumente gehören. Deshalb Überzeugungstechnik nach der Ampel-Methode:
ROT – GELB – GRÜN = Problem – Lösung – Argumente.
Die Überzeugungsstrategie können Sie in allen Gesprächen und Vorträgen anwenden.

Jede Argumentation braucht eine Struktur

Grundsätzlich brauchen Sie, um andere Menschen zu überzeugen, in Ihren Redebeiträgen eine entsprechend feste vorgegebene Struktur. Die einfachste Struktur stellt eine Rede im Dreisatz-Schema dar. Sie kann zum Beispiel wie folgt aufgebaut sein:

Phase 1

Wie kam es dazu? Das ist also die Vergangenheit.

Phase 2

Wo stehen wir jetzt? Hier behandelt der Redner die Gegenwart.

Phase 3

Es gibt noch einen zweiten Weg, um eine einfache Redestruktur im Dreisatz-Schema zu präsentieren: Dabei umfaßt die
Phase 1: Wir sind zusammengekommen, um...
Phase 2: Was haben wir bis jetzt erreicht? Phase 3: Für die Zukunft schlage ich folgendes vor...

Der klassische Fünfsatz

Eine weitere Argumentationsstruktur ist der klassische Fünfsatz. Hier wird eine chronologisch kausale Kette aufgebaut. Der klassische Fünfsatz beginnt mit einer ersten These, die mit der Frage: Weil das so ist, untermauert wird. Daraus folgt die dritte Stufe, und aus dieser dritten Stufe ergibt sich bzw. diese führt zu Phase Nr. 4. Daraus wiederum schließen wir: Deshalb ist so oder so zu handeln oder zu entscheiden ......

Der dialektische Aufbau

Eine weitere Struktur stellt der dialektische Aufbau dar. Hier beginnt der Redner mit einer These. Sodann werden in der zweiten Phase abgewogen: Einerseits und andererseits, sowohl als auch, bzw. entweder oder. Aus diesem Abwägungsprozeß in Phase 2 ergibt sich ein Ergebnis in Phase 3 unter dem Motto: Das ergibt nun die Folgerung in Phase 4.

Der Positionsvergleich

In einer weiteren Struktur können Sie mit dem sogenannten Positionsvergleich arbeiten. Hier vergleicht der Redner zwei grundsätzlich entgegengesetzte Ansichten. In Phase 1 heißt es: "Bisher wurde besprochen" mit folgender Begründung. In der nächsten Phase: "Dagegen wurde gestellt" mit folgender Begründung. Die dritte Phase stellt einen neuen Gedanken dar nach dem Motto: "Nicht berücksichtigt wurden" .....

Der Kompromißvorschlag

Die vierte und letzte Argumentationsstruktur stellt den Kompromiß dar. Hier werden in Phase 1 Behauptung und Gegenbehauptung gegenübergestellt. In der zweiten Phase zeigt der Redner auf, was beiden gemeinsam ist. Nachdem er in Phase 3 diese Verbindung hergestellt und deutlich gemacht hat, kommt er zu seinem Kompromißvorschlag in Phase 4.

Kritik ohne Kränkung

Ein besonderes Problem im Rahmen unserer Kommunikation, vor allem innerhalb von Fraktionen, Vorständen und Arbeitskreisen, stellen kritische Gespräche dar. Im Umgang mit Anderen kommt es immer wieder vor, daß wir unzufrieden sind, entweder mit dem Verhalten des Anderen oder mit der Art und Weise, wie eine Aufgabe erledigt wurde. Dies wollen wir nach außen äußern, aber wie können wir Kritik zum Ausdruck bringen, ohne den Anderen gleich zu verletzen oder herabzusetzen. Wir wissen alle, wie selten es uns gelingt, Kritik anzunehmen. Vielleicht liegt es daran, daß manche Menschen uns mit ihrer Kritik eigentlich etwas ganz Anderes vermitteln wollen. Dahinter kann beispielsweise die Auffassung stecken: "Das kann ich besser. So etwas wäre mir nie passiert. Hättet Ihr doch bloß mich für diese Aufgabe genommen." Diese Art von Kritik ist kränkend und niederschmetternd. Wer sich entwertet oder angegriffen fühlt, kann sich nicht auf den Inhalt einer Aussage konzentrieren. Er ist nun viel zu sehr damit beschäftigt, den erlebten, persönlichen und emotionalen Angriff abzuwehren. Damit der Andere unsere Kritik richtig annehmen kann und wir auf einer sachlich, fairen Basis bleiben, ist es wichtig, für eine entspannte Gesprächsatmosphäre zu sorgen. Deshalb sollten wir uns von den folgenden fünf Regeln für Kritikgespräche leiten lassen:

  1. Den Sachverhalt beschreiben, anstatt zu bewerten.
  2. Sich in den Anderen einfühlen, anstatt ihm gleichgültig gegenüberzutreten.
  3. Den Anderen als gleichberechtigt betrachten, anstatt Überlegenheit zu demonstrieren.
  4. Sich an der Sache, an Problemen orientieren.
  5. Spontan auf den Anderen eingehen, anstatt eine vorher zurechtgelegte Strategie zu verfolgen.

Sachliche Kritik in drei Schritten

Sie können Kritik leichter auf der Sachebene belassen, wenn Sie der Versuchung widerstehen, den Anderen verändern zu wollen. Verfolgen Sie mit Ihrer Kritik im Rahmen Ihrer politischen Arbeit ein Ziel und äußern Sie dies in den folgenden drei Schritten:
  1. Ihr Ziel darlegen.
  2. Den Weg überprüfen.
  3. Das gemeinsame Vorgehen festlegen.
Im ersten Schritt, also dem Darlegen der eigenen Ziele, wird geklärt, ob beide Seiten das gleiche Ziel verfolgen, nur, wenn dies der Fall ist, können wir zu vergleichbaren Ergebnissen kommen. Wenn die Ziele unterschiedlich sind, können Sie das Kritikgespräch im Grunde sofort beenden und stattdessen darüber nachdenken, wie ein gemeinsames Ziel zustande kommen könnte und wie dieses gemeinsam abgestimmte Ziel konkret aussehen kann.
In Ihrem zweiten Schritt beginnen Sie dann, den Weg zu überprüfen. Sie können dem Anderen, auch wenn er etwas tut, was Ihnen nicht gefällt, vermitteln, daß Sie trotzdem Respekt vor seiner Person haben. Fragen Sie ihn nun bzw. lassen Sie ihn erklären, wie sein Weg zum Ziel führen kann. Dabei verzichten Sie auf Vorwürfe und zeigen , daß Sie ein echtes Interesse daran haben, zu erfahren, was seine Absichten und Vorstellungen sind.
Danach legen Sie in einem dritten Schritt die gemeinsame Vorgehensweise fest. Wenn Sie dem Anderen etwas zutrauen, dann werden Sie ihn in der Suche nach einer Lösung einbinden und ihn um eigene Vorschläge bitten. Er soll Verantwortung mit übernehmen, auch hier sind Kompromisse und Verständigungen möglich, so daß für beide Seiten eine Gewinner/Gewinnersituation entsteht. Diese gerade angesprochenen Probleme gelten natürlich auch umgekehrt für Sie, wenn Andere versuchen, Sie zu kritisieren. In diesen Fällen können Sie genau so vorgehen, indem Sie die jeweiligen Ziele offenlegen, danach den Weg klären, um dann die gemeinsame Vorgehensweise festzulegen. Wenn Kritik unsachlich oder verletzend geäußert wird, neigen wir dazu, uns zu wehren. Die Situation gerät somit leicht außer Kontrolle. Das Ergebnis ist dann meist vernichtend und die Stimmung oft über Wochen und Monate innerhalb der Arbeitsgruppe eisig. Aber auch dann, wenn ein Anderer im Rahmen Ihrer politischen Arbeit Ihre ganze Person niedermacht, können Sie versuchen, einen klaren Kopf zu behalten und das Gespräch entsprechend steuern. In diesem Fall setzen Sie sich nicht mehr auf der sachlichen sondern auf der persönlichen Ebene mit dem Anderen auseinander. Wer unsachlich oder unfair kritisiert, sagt eine ganze Menge über die Beziehung und über sich selbst aus. Zugegeben: Sie müssen sich ganz schön von Ihren verletzten Gefühlen distanzieren, um sich in einer solchen Situation ausgerechnet nun in den Anderen hineinzuversetzen, und das, obwohl dieser Sie gerade so stark gekränkt hat. Trotzdem können Sie sich die folgenden Fragen stellen:
Was geht wohl jetzt in ihm vor?
Was steckt hinter seiner persönlichen Kritik?
Was stimmt in unserer politischen Zusammenarbeit nicht?

Der richtige Umgang mit Kritik

Immer, wenn Sie unfair kritisiert werden, stellen Sie sich Fragen zum Sachverhalt, der kritisiert wurde und zu Ihrer Beziehung zum Anderen. Aber bitte stellen Sie nicht Ihre ganze Person in Frage. Im Folgenden haben wir Ihnen eine ganze Liste von gängigen Aussagen und die möglichen falschen Wirkungen auf den Gesprächspartner zusammengestellt. Zunächst einmal präsentieren wir Ihnen die Aussage, die einen Angriff auf die jeweilige emotionale Beziehungsebene darstellt und danach bringen wir mögliche Wirkungen, die Sie mit solchen Aussagen beim Gesprächspartner auslösen. Bitte versuchen Sie, die hier angeführten Aussagen zu vermeiden, denn Sie sind im hohen Maße mißverständlich.
Aussage 1
Damit ich mich nicht wiederholen muß...
Wirkung
Sind wir hier in der Schule?
Aussage 2
Das habe ich nicht gemeint!
Wirkung
Da wäre ich ja nie drauf gekommen.
Aussage 3
Wir müssen folgendes beachten...
Wirkung
Ich muß gar nichts!
Aussage 4
Da sind wir aber auf dem Holzweg!
Wirkung
Sie auch!
Aussage 5
Da haben Sie mich falsch verstanden.
Wirkung
Bin ich ein Trottel?
Aussage 6
Da muß ich Sie korrigieren.
Wirkung
Ach ja, was habe ich denn falsch gemacht?
Aussage 7
Das ist doch logisch.
Wirkung
Heißt das, daß ich unlogisch argumentiere?
Aussage 8
Ungeachtet dieser Tatsache...
Wirkung
So ein Umstandskrämer!
Aussage 9
Das ist mir egal.
Wirkung
Mir auch!
Aussage 10
In der Theorie haben sie recht, aber...
Wirkung
Das sagt der mir als Praktiker?
Aussage 11
Das entspricht nicht den Tatsachen
Wirkung
Ich lüge also?
Aussage 12
Das ist doch ganz einfach.
Wirkung
Meine Güte, bin ich dumm!

Anleitung zum Unglücklichsein

Aus dem Buch "Anleitung zum Unglücklich sein" von Professor Paul Watzlawick möchten wir Ihnen die kleine Geschichte mit dem Hammer präsentieren:

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüber zugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbarn mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich, und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich etwas ein. Wenn Jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gebe es ihm sofort, und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen so einen einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß, weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht's mir wirklich - und so stürmt unser Mann hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor dieser "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!"